Aufgabe 2 - Boolesche Algebra
Aufgabenstellung
Abschnitt betitelt „Aufgabenstellung“Gegeben ist die nachfolgende Logikfunktion als kanonisch disjunktive Normalform (KDNF):
Ermitteln Sie die Wertigkeiten (Dezimalwerte) der gegebenen Elementarkonjunktionen von y. Stellen Sie die KDNF noch einmal mit geordneten Wertigkeiten (aufsteigend oder absteigend) dar.
4 Pkt.
Vereinfachen Sie die gegebene Schaltfunktion und ermitteln Sie die minimierte disjunktive Normalform (DNF) rechnerisch mithilfe der Gesetze der boolschen Algebra.
4 Pkt.
Stellen Sie das KV-Diagramm für die Funktion y auf, ermitteln Sie daraus durch Blockbildung/Blockeinkreisen die minimierte DNF für y und vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit der vorab rechnerisch ermittelten Funktion.
4 Pkt.
Bestimmen Sie mithilfe des KV-Diagramms und Blockbildung/Blockeinkreisen die minimierte konjunktive Normalform (KNF) von y.
4 Pkt.
Bestimmen Sie eine NAND-Form für y.
4 Pkt.
Σ 20 Pkt.
a) Wertigkeiten der Elementarkonjunktionen
Abschnitt betitelt „a) Wertigkeiten der Elementarkonjunktionen“Die Variablen x3, x2, x1 und x0 haben die Wertigkeiten 8, 4, 2 und 1. Eine nicht negierte Variable erhält den Bitwert 1. Eine negierte Variable erhält den Bitwert 0.
| Elementarkonjunktion | Binärwert | Dezimalwert |
|---|---|---|
¬x3 ¬x2 ¬x1 ¬x0 |
0000 |
0 |
x3 ¬x2 x1 ¬x0 |
1010 |
10 |
x3 x2 ¬x1 ¬x0 |
1100 |
12 |
x3 ¬x2 ¬x1 ¬x0 |
1000 |
8 |
¬x3 ¬x2 x1 ¬x0 |
0010 |
2 |
¬x3 x2 x1 ¬x0 |
0110 |
6 |
Tabelle 2.1: Wertigkeiten der Elementarkonjunktionen in der vorgegebenen Reihenfolge (eigene Berechnung).
Aufsteigend geordnet ergeben sich die Wertigkeiten 0, 2, 6, 8, 10 und 12. Die geordnete KDNF lautet:
In der kompakten Indexschreibweise kann sie so angegeben werden:
y = K⁴(0, 2, 6, 8, 10, 12)b) Rechnerische Vereinfachung zur minimierten DNF
Abschnitt betitelt „b) Rechnerische Vereinfachung zur minimierten DNF“Für die Vereinfachung werden die Terme m2 und m8 jeweils zweimal verwendet. Das ist nach dem Idempotenzgesetz erlaubt und ändert die Funktion nicht.
y = (m0 ∪ m2 ∪ m8 ∪ m10) ∪ (m2 ∪ m6) ∪ (m8 ∪ m12)Zuerst werden die vier Terme m0, m2, m8 und m10 vereinfacht:
m0 ∪ m2= ¬x3 ¬x2 ¬x0 (¬x1 ∪ x1)= ¬x3 ¬x2 ¬x0
m8 ∪ m10= x3 ¬x2 ¬x0 (¬x1 ∪ x1)= x3 ¬x2 ¬x0
m0 ∪ m2 ∪ m8 ∪ m10= ¬x2 ¬x0 (¬x3 ∪ x3)= ¬x2 ¬x0Für die Terme m2 und m6 ergibt sich:
m2 ∪ m6= ¬x3 x1 ¬x0 (¬x2 ∪ x2)= ¬x3 x1 ¬x0Die Terme m8 und m12 werden auf die gleiche Weise zusammengefasst:
m8 ∪ m12= x3 ¬x1 ¬x0 (¬x2 ∪ x2)= x3 ¬x1 ¬x0Damit lautet die minimierte DNF:
c) KV-Diagramm und minimierte DNF
Abschnitt betitelt „c) KV-Diagramm und minimierte DNF“Die Einsen werden in die Felder 0, 2, 6, 8, 10 und 12 eingetragen. Zeilen und Spalten sind in der Gray-Code-Reihenfolge 00, 01, 11 und 10 angeordnet.
Abbildung 2.1: KV-Diagramm mit Blockbildung für die Einsfelder (eigene Darstellung).
Die Einsfelder lassen sich in drei Blöcke aufteilen:
- Block I enthält die Felder 0, 2, 8 und 10. Die Randfelder des KV-Diagramms gelten als benachbart. In diesem Block bleiben
x2 = 0undx0 = 0gleich. Daraus folgt der Term¬x2 ¬x0. - Block II enthält die Felder 2 und 6. Hier bleiben
x3 = 0,x1 = 1undx0 = 0gleich. Daraus folgt der Term¬x3 x1 ¬x0. - Block III enthält die Felder 8 und 12. Hier bleiben
x3 = 1,x1 = 0undx0 = 0gleich. Daraus folgt der Termx3 ¬x1 ¬x0.
Aus den drei Blöcken entsteht dieselbe DNF wie bei der rechnerischen Vereinfachung:
d) Minimierte KNF
Abschnitt betitelt „d) Minimierte KNF“Für die KNF werden die Nullfelder zusammengefasst. Die Nullen liegen in den Feldern 1, 3, 4, 5, 7, 9, 11, 13, 14 und 15.
Abbildung 2.2: KV-Diagramm mit Blockbildung für die Nullfelder (eigene Darstellung).
Die Nullfelder werden in drei Blöcke aufgeteilt:
- Block A enthält alle ungeraden Felder. In diesem Block gilt immer
x0 = 1. Für die negierte Funktion entsteht daraus der Termx0. - Block B enthält die Felder 4 und 5. Hier gelten
x3 = 0,x2 = 1undx1 = 0. Daraus entsteht der Term¬x3 x2 ¬x1. - Block C enthält die Felder 14 und 15. Hier gelten
x3 = 1,x2 = 1undx1 = 1. Daraus entsteht der Termx3 x2 x1.
Damit lautet die minimierte DNF der negierten Funktion:
Durch die Negation der gesamten Funktion und die Anwendung des De-Morgan-Gesetzes entsteht die minimierte KNF:
e) NAND-Form
Abschnitt betitelt „e) NAND-Form“Als Ausgangspunkt dient die minimierte DNF aus den Teilaufgaben b und c. Die Funktion wird doppelt negiert. Anschließend wird das De-Morgan-Gesetz angewendet.
Die drei inneren negierten UND-Verknüpfungen werden jeweils mit einem NAND-Glied gebildet. Ihre Ausgänge werden an ein weiteres NAND-Glied angeschlossen. Falls auch die negierten Eingangsvariablen nur mit NAND-Gliedern erzeugt werden sollen, gilt zum Beispiel:
¬x2 = NAND(x2, x2)